Unser Neuseeland Abenteuer war voller kleiner Geschichten – hier eine kleine Auswahl.
Haka zur Begrüßung
Als begeisterungsfähige Touristen wollten wir natürlich einen Haka sehen – den Ritualtanz der Maori. Mit dem Haka werden potentielle Gegner eindrucksvoll eingeschüchtert und Gäste willkommen geheißen. Die Grenzen zwischen beiden Gruppen können ja durchaus fließend sein. Die dramatische Kombination aus martialischem Stampfen und rituellem Klatschen auf Beine und Arme lässt auch kaum jemanden unbeeindruckt. Die traditionellen Gesichts Tätowierungen der Maori in Verbindung mit rollenden Augen und herausgestreckter Zunge werden begleitet von einem rhythmischen Sprechgesang.
Ganz schön wilde Sache. Ich hatte den Tipp bekommen, die Vorführungen im ehemaligen Kriegs Museum in Auckland seien sehr authentisch. Als Reisender ist man ja immer irgendwie auf der Jagd nach dem unverfälschten Erlebnis. Aber wie authentisch ist – nur so zum Vergleich – der original bayerische Schuhplattler des lokalen Trachtenvereins? Ich würde sagen, es kommt darauf an, wie sehr man im Thema steckt. Der Vormittag im Museum war auf jeden Fall sehr eindrucksvoll und ich konnte mir lebhaft vorstellen warum es Captain Cooks Männer einst in Neuseeland regelmäßig mit der Angst bekamen. Auch wenn die Tätowierungen im Gesicht heute meist nur noch kurzfristig mit dem Filzstift appliziert werden.
Wir haben jedenfalls eine Menge gelernt an jenem Morgen. Tim (seinen Maorinamen hat mein mittel-europäisches Spatzenhirn leider komplett verdrängt), hat uns mit vielen bunten und drastischen Geschichten die Maorikultur ein kleines bisschen näher gebracht .
Bevor die Europäer nach Neuseeland kamen, trugen praktisch alle hochrangigen Māori Moko. Das Moko ist eine Art Code, der Herkunft und Rang des Trägers anzeigt. Männer trugen Moko vor allem im Gesicht, auf Oberschenkeln und Gesäß, manchmal auch auf Rücken und Waden. Frauen trugen Moko auf den Lippen und am Kinn manchmal auf der Stirn seltener auf dem Rücken und den Schenkeln.
Hat was. Die traditionelle Prozedur ist ziemlich schwerzhaft und foredert den ganzen Mann und die ganze Frau.
Die Waffen: Maori Krieger waren Experten in Überraschungsangriffen. So schnell und unerwartet sie zu schlugen, so schnell verschwanden sie geräuschlos im dichten Regenwald Neuseelands. Angegriffen wurde bevorzugt im Morgengrauen um möglichst alle Gegner zu töten. Die Maori Krieger wollten so der der Rache des Gegners entgehen. Die Waffen sind Kunstwerke und töteten lautlos.
Die Bauweise – Versammlungs Halle Marae
„Durch die einzige Tür der großen Versammlungshalle gehen die Lebenden – durch das einzige Fenster werden nur die Toten hinausgereicht!“ Die Vorratsspeicher auf Säulen (wegen der Schädlinge) hatten nur ganz kleine Türen für Kinder (wegen der Diebstahlgefahr durch Erwachsene). Die Krieger-Kanus haben locker 80 oder 100 Mann transportiert. Und wo genau im Pazifik das sagenhafte Hawaiki lag aus dem die Maori einst zur Reise ins Land der langen weißen Wolken aufgebrochen waren, darüber gehen die Meinungen auseinander.
Am Ausgang der Maori Ausstellung steht ein solider schwarzer Stein-Quader, der an der Oberfläche gerade soweit ausgehöhlt, ist um zwei Finger tief Wasser Raum zu geben. Nach Ihren traditionellen Versammlungen bespritzen sich die Maori hier mit Wasser, um den Ahnen zu sagen, dass sie gefälligst am Versammlungsort zurückbleiben sollen. Machen wir natürlich auch. Wir wollen ja keinen Ärger auf der Tour durch Neuseelands Nord Insel.
Vulkanausbruch im Modellhaus
Ganz Neuseeland tanzt auf Vulkanen. So auch Auckland. Drumherum verschieben permanent Erdplatten und lösen Beben aus. Die meisten beben kann man zwar messen, aber man spürt sie nicht in der Stadt.
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Theoretisch kann aber tatsächlich jederzeit und überall ein Vulkan ausbrechen. Im Zeitalter der Erlebnis-Pädagogik gibt es im Museum deshalb ein spezielles „Was-wäre-wenn-Wohnzimmer“. Hier kann man sich von der Couch aus ein Bild machen, was passiert, wenn der Vulkan in der Bucht vor Auckland ausbricht und ein Tsunami die Stadt verwüstet. Toll wie wir Menschen die Gefahr im Alltag so verdrängen können. Im Museumswohnzimmer wackeln alle 20 Minuten die Wände, die Lampe schaukelt unter der Decke, Schränke springen auf, Glas klirrt und auf der Wand vor dem Sofa geht ein Stadtteil unter.
Kiwis
Der Kiwi ist ein Schnepfenstrauss und das Nationalsymbol Neuseelands. Er kann nicht fliegen und ist im Dunkeln im Wald unterwegs. Die Vögel sind je nach Sorte so groß wie eine Ente oder Gans und haben ein braunes Gefieder das allerdings eher wie Fell aussieht. Das Tier hat unter dem Gefieder versteckt kleine unbrauchbare Flügel-Stummel, mit kleinen Krallen an den Enden.
Kiwis besitzen keinen Schwanz, was ihnen eine originelle ovale Körperform verleiht. Zumal die Beine ziemlich weit nach hinten verlagert sind. Kiwis sind gute Läufer, längere Fluchtdistanzen erübrigen sich aber meist in ihrem unübersichtlichen Lebensraum. Kiwis können nicht besonders gut sehen, dafür aber umso besser hören und – eine Besonderheit unter Vögeln – sehr gut riechen.
Die Neuseeländer sind so begeistert von ihrem komischen Nationalvogel, dass sich die Einwohner des Landes selbst als „Kiwis“ bezeichnen. Abgeleitet davon gibt es die Kiwibank. Die staatliche Rentenkasse Neuseelands heißt Kiwisaver.
Die Kiwi-Frucht ist eigentlich eine „chinesische Stachelbeere“ und wurde in Neuseeland das erste Mal außerhalb Asiens in großem Stil angepflanzt. 1959 exportierte die Handelsfirma Turners and Growers die Frucht erstmals unter dem Markennamen „Kiwi“.
Weil man den gleichnamigen Vogel im Dickicht der Wälder höchstens pfeifen hört waren wir extra im Zoo von Wellington. Hier machen die Tierpfleger für die Vögel in einer eigens konzipierten Tunnelanlage den Tag zur Nacht. Geschlagene 40 Minuten sind wir geduldig durch den Tunnel gepirscht, jedem leisen Rascheln gefolgt und haben am Ende tatsächlich zwei Exemplare gesehen. Luis Apfeltelefon sei Dank, kann ich das sogar beweisen.
Nicht ganz klar ist jedoch welche Botschaft die neuseeländische Air Force in die Welt tragen möchte: der flug-unfähigen Vogel ziert auch die Kampfjets.
Wie liebevoll die vom aussterben bedrohten Voegel betreut werden kann man hier sehen:
Kakapo
Neuseeland hat noch mehr komische Vögel im Repertoire. Der Kakapo ist der einzige bekannte flugunfähige Papagei, nachtaktiv und akut vom Aussterben bedroht. Für 2012 ergab die Zählung gerade noch 120 Exemplare.
Kakapos sind sehr große Papageien; ausgewachsene Männchen messen bis zu 60 Zentimeter und wiegen zwischen drei und vier Kilogramm. Die Flügel sind relativ klein, und es fehlt ihnen das verstärkte Brustbein, an dem die kräftige Flugmuskulatur anderer Vögel ansetzt. Sie gebrauchen ihre Flügel nur zum Balancieren und um ihren Fall abzubremsen wenn sie von Bäumen herabspringen. Anders als andere Landvögel können Kakapos große Mengen Depotfett speichern.
Eine der ungewöhnlichsten Eigenschaft der Kakapos ist ihr starker Geruch. Kakapos „duften nach Blumen, Honig und Bienenwachs.
Kea
Der Kea ist der Punk unter den Neuseeländischen Vögeln und lebt in den Gebirgen der Südinsel Neuseelands. Er ist einer der wenigen Papageien, der außerhalb der Tropen sogar im Schnee leben kann.
Keas sind in der Dämmerung aktiv und gelten als äußerst neugierig und verspielt. Das „Untersuchen“ von Gegenständen, die von Touristen mitgebracht und unbewacht liegen gelassen wurden, geht häufig nicht ohne Beschädigung einher. Geparkte Autos sind besonders betroffen. Hier werden unter anderem oft Dichtungsgummis an Türen und Fenstern und der Lack mit den kräftigen Schnäbeln bearbeitet. Vor allem Jungtiere finden daran großen Gefallen.
Welthauptstadt der Schaf Scherer
Auf dem Weg zum Tunnel-Beach machen wir Station in TeKuiti.
Hier leben 4,374 Menschen. Zu Zeiten der alljährlichen großen Schaf-Ausstellungen schon mal ergänzt durch mehr als 2000 Schafe.
Am Ortseingang steht das überlebensgroße, Beton gewordene Wahrzeichen: ein Mann der ein Schaf schert. Die Schaf Scherer sind Teil des australischen Mythos.
Und wo das hinführen kann, haben wir in dem 80er Jahre Schmachtfetzen „Dornenvögel“ gesehen. Die Geschichte beginnt in Neuseeland spielt dann aber größten Teils in Australien – passt also irgendiwe hier her.
Anmerkung: Die Outbackszenen wurden nicht in Australien sondern in Süd Kalifornien inszeniert. Die Queensland Einstellungen wurden in Hawaii gedreht.
Sonst ist TeKuiti nicht viel los.
Allerdings nutzt unsere kleine Reisegesellschaft den einstündigen Aufenthalt in TeKuiti für ein Projekt der besonderen Art. Wir besorgen Klamotten für eine Hochzeit am Strand.
Traumhochzeit
Im gesamten Angelsächsischen Sprachraum findet man eine weit verbreitete Leidenschaft für sogenannte „Dress Up Parties“ (alle verkleiden sich für einen Abend einem Motto entsprechend). Im vorliegenden Fall war in einer Hütte in luftiger Höhe inmitten des Tongariro Nationalparks die Idee zu einer Hochzeitsparty geboren worden. Alles fing damit an, dass unser in Berlin lebender Franzose Romain sagte, dass er ja am liebsten für immer in Neuseeland bliebe aber das mit dem Visum praktisch unmöglich sei. Nach der zweiten Flasche Rotwein hatten wir die Lösung des Problems: Romain musste ja nur eine Neuseeländerin heiraten. Er argumentierte, dass er hier inmitten der einsamen Bergwelt wohl kaum die Frau für’s Leben finden würde.
Männer können ja manchmal so unpraktisch sein. Eine kurze Umfrage unter den Hütten -Bewohnern in jener Nacht ergab, das unsere Bergkollegin Catherine unverheiratet war. Das klang perfekt. Die beiden kannten sich ja schon beinah eine Woche. Hatten Gemeinsamkeiten (Bergsteigen) und den Rest würden wir schon Regeln. Was als schräge Idee begann verwandelte sich in immer dünnerer Höhenluft in einen handfesten Plan. Wenn schon Dress Up Party am Strand dann doch am besten gleich die ganze Fete als Hochzeit. Lina, Cath und ich waren total begeistert. So zogen wir dann in Te Kuiti durch die einschlägigen OpShops (von Wohltätigkeits-Organisationen betriebene Secondhand Läden) um Kleider für die Braut und die Brautjungfern zu besorgen und eine entsprechende Ausstattung für Bräutigam und Trauzeugen. Die älteren Damen -die diese Läden ehrenamtlich betreiben, und allesamt aussahen wie direkt aus einem Miss Marple Film entsprungen – haben sich fast überschlagen, um uns behilflich zu sein. Eine von Ihnen hat mir verraten soviel Umsatz habe sie sonst nicht in einer Woche: 3 Kleider für 22 Dollar.
Je näher wir dem legendären Tunnelbeach kamen, desto nervöser wurden Braut und Bräutigam. Man hätte beinahe vermuten können sie hatten Angst, irgendwer nehme am Ende die ganze Sache ernst.
Zusammenfassung: Es wurde ein wirklich wunderbarer Abend an einem Traumstrand mit Sonnenuntergang wie im Kino, einem legendären Hangi und begeisterten Zuschauern, die der Meinung waren, es handele sich um eine reale Hochzeit. Alles in allem ein Riesen Spaß.
Die Bilder sprechen für sich…
Zum guten Schluss – noch ein Vulkan
Zum Abschluss stand der Mount Taranaki (auch oder ehemals Mount Egmont) im Egmont National Park auf unserer Liste der Abenteuer. Der 2518 Meter hohe Berg ist eine archetypischer Vulkan mit perfekter Symmetrie. Weil er aus der Ferne dem Fujiama so ähnlich sieht, wurden hier Hintergrund-Szenen für den Film “Der letzte Samurai” gedreht.
Der Mout Taranaki ist wegens einer krassen Wetterumschwünge berühmt, dem zahlreiche Bergsteiger zum Opfer gefallen sind.
Wir steigen bei strahlendem Wetter die in die Vulkanerde gegrabenen mit Holz befestigten als 2200 Stufen hinauf zur Hütte des örtlichen Alpenvereins. Am Abend kommt plötzlich ein Sturm auf, der selbst den Ausflug zum Dunny zu einem Outdoor Abenteuer werden lässt.
Am nächsten Morgen schüttet es wie aus Eimern. Die 2200 Stufen sind mit Wasser gefüllt. An einen Aufstieg zum Gipfel ist nicht zu denken. Und wir schwimmen zurück ins Tal.
Am selben Abend erreichen wir Neuseelands Hauptstadt Wellington und genießen den Luxus einer zeitlich unbegrenzten heißen Dusche, den Anblick frischer, unberührter Klamotten aus einem extra Koffer und ein opulentes Mal mit mehreren Gängen beim Italiener. Was für eine Reise!


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